„Bier braucht Heimat“
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Borg, 2. April 2025
Sehr geehrte Damen und Herren der Gemeindeverwaltung Perl,wir melden uns erneut als anonyme Thekenrunde aus dem schönen Borg, um den begonnenen Dialog in unserem offenen Brief fortzuführen.
In bester Kneipentradition gibt es nämlich immer noch eine „zweite Runde“ – und die möchten wir Ihnen hiermit kredenzen.
Mit gewohnt charmantem Augenzwinkern und viel Herzblut für unsere Dorfkneipe erlauben wir uns, weitere Beobachtungen und Vorschläge vorzutragen, wie die Thekenkultur als tragende Säule unseres Gemeindelebens gewürdigt und gefördert werden kann.
Zunächst möchten wir betonen: Unsere lokale Kneipe ist nicht nur ein Ort für Bier und Kartenspiel, sondern faktisch das inoffizielle Bürgerzentrum der Gemeinde. Hier werden Neuigkeiten schneller verbreitet als jeder amtliche Aushang am Rathaus.
Manchmal wissen wir vom nächsten Straßenausbau, noch bevor der Bauausschuss offiziell davon berichtet
(kein Wunder – unser „Beauftragter für halblaute Zwischenrufe“ hat feine Ohren und gute Beziehungen).
Ob neuester Klatsch oder ernsthafte Sorgen der Nachbarschaft – am Tresen findet alles Gehör.
Die Theke ist das soziale Netz der Gemeinde, lange bevor jemand im Rathaus den Antrag für einen runden Tisch formuliert.
Apropos runder Tisch: Wir regen an, einen offiziellen „Runden Tresen“ ins Leben zu rufen.
Dieser könnte als Ergänzung zum Ortsrat fungieren – ein Gremium aus gestandenen Tresen-Philosophen und Stammtisch-Strategen, das die wirklich wichtigen Dorfangelegenheiten vorab schon mal pragmatisch beleuchtet.
Die besten Ideen entstehen bekanntlich bei einem kühlen Blonden und einer Schale Salzstangen, nicht in steifen Konferenzzimmern.
Warum also nicht die nächste Bürgerbeteiligung in die Kneipe verlegen?
Bei uns gibt’s zwar statt PowerPoint nur Bierdeckel und Kugelschreiber.
Doch gerade darauf wurden schon erstaunlich viele Geistesblitze festgehalten – und am nächsten Morgen sogar entziffert.
Unsere Thekenrunde hat sich in der Zwischenzeit auch personell neu aufgestellt, um ihren Beitrag fürs Gemeinwohl noch effizienter zu gestalten.
So haben wir – nun ja, sagen wir nach fünf Bieren einstimmig – einen selbsternannten „Thekenminister“ ernannt.
Er übernimmt fortan die diplomatischen Beziehungen zwischen Zapfhahn und Rathaus.
Der Thekenminister ist Ihr Ansprechpartner, wenn es darum geht, die Interessen der durstigen Dorfbevölkerung charmant zu vertreten.
Er hat bereits ein Weißbuch mit dem Titel „Bier braucht Heimat“ verfasst, das wir Ihnen gern zukommen lassen – handschriftlich auf Bierfilz, versteht sich.
Ebenfalls neu im Amt ist der „Beauftragte für halblaute Zwischenrufe“, den wir bereits erwähnten.
Dieser gute Mann (dessen Identität anonym bleibt, damit er weiterhin ungeniert seinen wichtigen Aufgaben nachgehen kann) sorgt dafür, dass weder in der Kneipe noch auf Bürgerversammlungen der traditionelle halblaute Kommentar von hinten fehlt.
Er ist sozusagen der Ombudsmann des gemurmelten Bürgerwillens. Seine leicht vernehmbaren „Ach, was soll der Quatsch denn?“-Einwürfe während langatmiger Diskussionen sind ein wertvolles Stimmungsbarometer und verhindern, dass wir alle zu verbissen werden.
Wir hätten da auch noch ein paar neue, kühne Ideen, wie unsere geliebte Thekenkultur offiziell gewürdigt werden könnte – natürlich mit einem Augenzwinkern und stets im Dienste der Gemeinde:
-
Ein „Tag der Kneipenkultur“ – Wie wäre es, einmal im Jahr einen offiziellen Gemeindefeiertag zu Ehren der Dorfkneipen auszurufen?
An diesem Tag könnten alle Bürger bei Freibier (gesponsert aus dem Kulturfonds – was ist Kultur bitte mehr als Kneipenkultur?) zusammenkommen.
Das wäre gelebte Gemeinschaftspflege. Ein Dorf ohne Kneipe ist schließlich wie ein Bier ohne Schaum – möglich, aber ziemlich trostlos. -
Der Goldene Zapfhahn als Ehrenpreis – Die Gemeinde könnte verdiente Persönlichkeiten der Thekengemeinschaft auszeichnen.
Zum Beispiel den Wirt, der seit Jahrzehnten jedem zuhört, oder die Stammtischrunde, die mit ihrer Sammlung von Anekdoten das Dorfarchiv bereichert.
Ein festlicher jährlicher Empfang im Rathaus mit der Verleihung des „Goldenen Zapfhahns“ würde sicher für Begeisterung sorgen.
Wahrscheinlich würden dort sogar bessere Reden gehalten als bei manch offiziellem Jahresempfang. -
„Kneipe goes Rathaus“ – Bringen wir symbolisch ein Stück Kneipe ins Rathaus! Zum Beispiel durch eine offizielle Bierdeckel-Box im Bürgerbüro, in die man Anliegen formlos auf einem Bierfilz einwerfen darf.
Diese werden dann garantiert in der nächsten Ratssitzung vorgelesen – zur allgemeinen Erheiterung und vielleicht als Inspiration.
Alternativ könnte man eine kleine Stehtischecke im Rathausfoyer einrichten, als lockere Begegnungszone.
Wir versprechen uns davon, dass Bürgergespräche dort genauso ehrlich und direkt werden wie bei uns am Tresen. -
Mobiler Schanktisch bei Gemeindeevents – Die Stimmung hebt sich doch sofort, sobald ein Fass angestochen wird. Warum also nicht bei jeder Bürgerversammlung oder jedem Dorffest einen offiziellen Gemeindeschanktisch aufstellen?
Das entspannt die Atmosphäre ungemein. Manch hitzige Debatte löst sich vielleicht in Wohlgefallen auf, sobald man gemeinsam angestoßen hat.
Uns ist natürlich bewusst, dass nicht alle unsere Vorschläge bierernst (Wortwitz beabsichtigt) umgesetzt werden können.
Aber hinter jedem Scherz steckt ein Fünkchen Ernst.
Unsere Kneipe ist eben mehr als nur eine Trinkstätte.
Sie ist ein Stück Heimat, ein Ort, an dem Jung und Alt zusammenkommen und an dem echte Integrationsarbeit geleistet wird. Mancher Neubürger wird spätestens beim dritten Stammtischabend vom Fremden zu „einem von uns“. Und hier werden auch kreative Lösungen für lokale Probleme geschmiedet – meist spätabends, aber immerhin.
Diese soziale Drehscheibe verdient Anerkennung. Während andernorts Vereine und Kulturkreise finanzielle Förderungen erhalten, bleibt die Kneipenkultur oft unsichtbar.
Dabei hält sie in Borg und der ganzen Gemeinde Perl so vieles zusammen, was sonst auseinanderzufallen droht: Freundschaften, Traditionspflege, ja sogar die Information der Bürger über Gemeindeangelegenheiten – ob offiziell oder inoffiziell.
Wir laden Sie daher herzlich ein, sich selbst ein Bild von alledem zu machen. Kommen Sie doch einfach mal auf ein Feierabendbier bei uns vorbei – inkognito oder offiziell, wir halten immer einen Platz am Tresen für Sie frei.
Lassen Sie uns gemeinsam besprechen, was wir füreinander tun können.
Man munkelt übrigens, der Bürgermeister habe im Dart eine recht passable Figur gemacht; vielleicht können wir ja bei der nächsten Partie ein paar Anliegen spielerisch lösen.
Und keine Sorge: Unser Beauftragter für halblaute Zwischenrufe bekommt an dem Abend dienstfrei, damit Sie ungestört mit uns lachen und diskutieren können.
In diesem Sinne bedanken wir uns fürs geduldige Lesen dieser Fortsetzung unseres offenen Briefes.
Wir hoffen, Sie nehmen unsere Ideen mit dem gleichen Humor und dem gleichen Ernst auf, mit dem wir sie formuliert haben.
Die Thekenrunde Villa Borg erhebt das Glas auf eine gedeihliche Zusammenarbeit zwischen Tresen und Thron (pardon, Rathaus) – zum Wohle aller Bürger unserer Gemeinde.
Mit herzlichen Grüßen und einem kräftigen Prost,
Die anonyme Thekenrunde Villa Borg
Der Thekenminister (selbsternannt)
Beauftragter für halblaute Zwischenrufe
Tresen-Diplomatin für zwischenmenschliche Angelegenheiten
Kümmerer für leere Gläser und volle Herzen
(im Auftrag aller durstigen Seelen von Borg)
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