PLAN B – Der Scherbenhaufen von Villa Borg
PLAN B – Der Scherbenhaufen von Villa Borg
Nach den letzten Wahlen in Villa Borg war die Stimmung am Boden. Nicht, weil die Verlierer besonders enttäuscht waren – nein – sondern weil die Gewinner es auch waren. Denn wie sich herausstellte, hatte niemand so richtig verstanden, wen oder was man da eigentlich gewählt hatte.
Der Wahlspruch der siegreichen Liste: „Es kann nur schlimmer werden.“ – ein ironischer Gag, dachten alle. Bis zur ersten Gemeinderatssitzung, als der frisch gewählte Präfekt Maximus der Unfähige erklärte, er wolle jetzt eine "keltisch-römisch-luxemburgisch-deutsche Energiematrix" einführen, betrieben durch Kuhfladen und Spucke.
„Erneuerbar, aber gefährlich“, murmelte der alte Senator Bubbi, während er genüsslich sein erstes Bier am Tresen kippte.
Die Bürger waren empört, aber auch zu müde, um sich zu wehren. Deshalb kam Plan B. Der wurde ganz inoffiziell am Stammtisch in der Villa Borg verabschiedet. In Anwesenheit der wichtigsten Männer und Tiere des Dorfes:
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Titus mit der Akornnuss (ein Philosoph, der aus Eicheln die Zukunft liest)
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Publius Proseccus, der Schreibgelehrte, dessen Handschrift niemand entziffern kann
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Lars, der Blaue, der zwar nie etwas sagt, aber immer traurig guckt
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und natürlich Elsa, die Kuh, mit den zwei Halblitern Bier in der Huf – ganz vorn mit dabei, wie immer
„Wir haben verwählt“, sagt Titus, „aber wenigstens haben wir noch genug Bierreserven.“
Publius nickt: „Mehr Bier.“
Lars: „...“
Elsa: „…aber flott!“
Und so kam es, dass man die Politik für ein paar Monate einfach beiseitelegte. Der neue Plan: Demokratische Selbstvernebelung durch kollektives Vergessen.
Jeden Abend traf man sich auf dem Forum Drunkenum – der kleinen Terrasse hinter der Villa Borg, zwischen dem Brunnen der Erkenntnis (verstopft) und dem Komposthaufen (aktiv). Dort wurde abgestimmt, wie viele Krüge pro Person erlaubt seien. Die Antwort war immer dieselbe: „Sou vill wéi geet, mee net méi wéi gëschter.“ (So viel wie geht, aber nicht mehr als gestern.)
Es war ein goldenes Zeitalter. Ohne Entscheidungen, ohne Gesetze, ohne Schlammschlachten – nur noch Schlamm im Glas, denn das Bier wurde inzwischen direkt aus dem Leukbach gebraut.
Highlights aus dem Protokoll der Stammtischsitzungen:
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Sitzung 1: „Sollten wir den Wahlsieger zurücktreten lassen?“
Ergebnis: Nein, aber er darf nichts mehr sagen. -
Sitzung 3: „Brauchen wir einen neuen Plan C?“
Ergebnis: Plan C wurde versehentlich getrunken. -
Sitzung 6: „Wer ist eigentlich Bubbi?“
Ergebnis: Staatsgeheimnis. -
Sitzung 9: „Warum trägt Elsa jetzt eine Krone?“
Ergebnis: Versehentlich gewählt. Wiederholung ausgeschlossen.
Inmitten dieses Chaos‘ wurde ein Gesetz verabschiedet, das alle liebten:
Artikel 1: Wer nüchtern zur Villa Borg kommt, muss beim Rausgehen betrunken sein.
Artikel 2: Politiker dürfen nur noch sprechen, wenn sie vorher eine Runde gezahlt haben.
Artikel 3: Die Kuh hat immer Recht. Punkt.
Moral der Geschichte?
Wenn man schon die falsche Wahl trifft, dann wenigstens mit Stil. Und einem Bier in der Hand. Oder zwei. Und mit einer Kuh, die mehr Charisma hat als der gesamte Gemeinderat.
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