Historische Wasserversorgung der Villa Borg und Fischfang

Römische Villa Borg | Archäologiepark & Römer-Museum Saarland

Römische Villa Borg

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Villa Borg: Politische und Wirtschaftliche Herausforderungen

Villa Borg: Politische und Wirtschaftliche Herausforderungen

Die Villa Borg, einst ein Symbol für römische Pracht und später ein Ort des Friedens und der kulturellen Vielfalt, stand nun im Zentrum eines politischen und wirtschaftlichen Bebens. Die Ankündigung von Friedrich Merz und Lars Klingbeil, ein gigantisches Schuldenpaket für die Bundeswehr und die Infrastruktur zu schnüren, hatte in ganz Deutschland für Aufsehen gesorgt, und Borg war keine Ausnahme. Die Nachricht von den geplanten Schulden erreichte auch die Villa Borg. Bettina Birkenhagen, Gerd Schmitt und die anderen Mitarbeiter diskutierten die Auswirkungen auf die Region. Sie fragten sich, ob die geplanten Investitionen die Villa Borg und den Tourismus in der Region positiv beeinflussen würden oder ob die Schuldenlast die zukünftigen Generationen belasten würde. Die Kritik an den Schuldenplänen war laut und deutlich. Johannes Winkel, der Vorsitzende der Jungen Union, sprach von einer „deutlichen Niederlage“. Auch an der CDU-Basis herrschte Entsetzen. Schimanski, der sich inzwischen in Borg niedergelassen hatte, verfolgte die Debatte mit Interesse. Er erinnerte sich an seine Zeit in Duisburg, wo er oft mit den Schattenseiten der Politik konfrontiert worden war. Die Frage, ob die notwendige Zweidrittelmehrheit im Bundestag zustande kommen würde, war zentral. Die Stimmen der Grünen und der FDP waren entscheidend. Doch beide Parteien zeigten sich zunächst abweisend. Die Angst vor einer „Brandmauer“-Debatte und die Frage, ob der alte Bundestag solche weitreichenden Entscheidungen treffen dürfe, belasteten die Atmosphäre. Staatsrechtler wie Prof. Volker Boehme-Neßler und Franz Josef Lindner meldeten verfassungsrechtliche Bedenken an. Sie warfen Fragen nach dem Demokratieprinzip und der „Zurückhaltungspflicht“ der Exekutive auf. Auch das milliardenschwere „Sondervermögen“ selbst wurde als problematisch angesehen. Die Unsicherheit über die Zukunft der Schuldenpläne wirkte sich auch auf die Villa Borg aus. Geplante Investitionen in digitale Technologien und nachhaltigen Tourismus wurden vorerst auf Eis gelegt. Die Mitarbeiter der Villa Borg fragten sich, ob die geplanten Schulden die wirtschaftliche Lage der Region verbessern oder verschlechtern würden. Trotz der Unsicherheit beschlossen Bettina Birkenhagen und ihr Team, ihre Vision von der Villa Borg als einem modernen und dynamischen Kulturzentrum weiterzuverfolgen. Sie organisierten Veranstaltungen, Workshops und Führungen, um die Besucher anzulocken und die Bedeutung der Villa Borg für die Region zu betonen. Die Zukunft der Villa Borg und der Region hing von den politischen Entscheidungen in Berlin ab. Doch Bettina Birkenhagen und ihr Team waren entschlossen, die Villa Borg zu einem Ort der Hoffnung und des Aufbruchs zu machen. Sie waren bereit, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen und die Villa Borg zu einem Symbol für die Innovationskraft und den Zusammenhalt der Menschen in der Region zu machen.

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Villa Borg

Römische Wasseranlagen und Brauerei der Villa Borg – Rekonstruktion & Leukbach-Nutzung

März 13, 2025

Rekonstruktion der römischen Wasseranlagen und der Brauerei der Villa Borg – Nutzung des Leukbachs

Historische Wasserversorgung der Villa Borg

Die römische Villa Borg war auf eine zuverlässige Wasserversorgung angewiesen, um sowohl den alltäglichen Bedarf der Bewohner als auch die luxuriösen Ausstattungen wie Bäder und Gärten zu bedienen 

In römischer Zeit nutzte man vielfältige Wasserleitungen, Kanäle und Reservoirs, um das Anwesen mit Wasser zu versorgen 

Nahe der Villa fließt der Leukbach, ein kleiner Fluss und Nebenfluss der Saar, der in der Antike als Lebensader diente​

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Sauberes Wasser galt als essenziell, und der Leukbach lieferte frisches Trinkwasser für die Bewohner und die landwirtschaftlichen Bereiche der Villa​

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Wahrscheinlich wurde das Wasser mithilfe einfacher Zuleitungen direkt aus dem Leukbach entnommen, da es als rein und klar für die Herstellung von Lebensmitteln – sogar für das römische Bier (Cervisia) – geeignet war​

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Neben der Flusswasser-Nutzung sammelte man auch Regenwasser von den Dächern 

Über hölzerne oder steinerne Dachrinnen (Traufrinnen) gelangte Regenwasser in unterirdische Kanäle Innerhalb der Villa ist ein ausgeklügeltes System belegt: Sandsteinkanäle (Rigolen) leiteten das Regenwasser von den Dächern zunächst in ein großes Auffangbecken im Innenhof​

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Von dort aus konnte es vielfältig genutzt werden – beispielsweise zur Speisung der Gartenanlagen oder der Zierbrunnen – bevor es überschüssig schließlich in die Latrinen und weiter in Richtung Leukbach abfloss​

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 Zusätzlich gab es vermutlich Zisternen oder Vorratsbecken, in denen Wasser gespeichert wurde, um Engpässe zu überbrücken 

Ein Brunnen ist im Bereich der Villa ebenfalls wahrscheinlich, auch wenn er bislang nicht eindeutig nachgewiesen wurde – viele römische Landgüter besaßen eigene Brunnenanlagen

Ein zentrales Element der Wasserversorgung war das Badehaus der Villa 

Hier benötigte man kaltes und warmes Wasser Das frigidarium (Kaltbad) hatte ein großes Kaltwasserbecken, das gefüllt werden musste​

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Im benachbarten caldarium (Heißbad) floss heißes Wasser aus dem Maul eines Löwenkopf-Ausgusses in das Marmorbecken​

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 Dieses Wasser wurde in einem Kessel im Heizraum erhitzt und diente den Badenden zum Schwitzen und Reinigen​

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 Ein kleiner Brunnen (Labrum) stand ebenfalls im Bad und spendete kaltes Wasser zur Abkühlung​

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 All dies deutet darauf hin, dass die Römer in Borg über genügend Wasser verfügten, das entweder aus dem Leukbach oder aus gesammeltem Regenwasser stammte, um ihre anspruchsvollen Badeeinrichtungen zu betreiben

Archäologische Funde der Wasseranlagen

Mehrere archäologische Funde auf dem Gelände der Villa Borg geben Einblick in die antiken Wassersysteme und bestätigen die schriftlich überlieferten Annahmen:

  • Großes Innenhof-Wasserbecken: Bei Ausgrabungen im Innenhof entdeckte man die Umrisse und Bauelemente eines rechteckigen Beckens von ca 30 × 10 Metern​
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  • Gefundene große Sandsteinquader, halbrunde Abdecksteine und Fragmente von Steinskulpturen (darunter zwei Figuren einer Quellnymphe) belegen die einst aufwendige Gestaltung dieses Zierbeckens​



Das Becken diente repräsentativen Zwecken – möglicherweise hielt man darin Zierfische – und fungierte zugleich als Löschwasserteich für den Notfall​

Drainagen und Kanäle: Parallel zu den Säulengängen des Innenhofs fand man mächtige Rigolen aus Sandstein, die Regenwasser von den Dächern auffingen​
  • Diese Kanäle führten zur Ecke, wo Hauptgebäude und Badehaus zusammentreffen, und dort in einen unterirdischen Kanal 

  • Die Ausgrabungen zeigten, dass dieser Kanal zunächst zur Spülung der Latrine diente und danach das Abwasser in Richtung Leukbach abführte​

    Dieser Befund ist ein direkter Hinweis auf die bewusste Nutzung des Leukbachs als natürlicher Abfluss für Schmutzwasser

  • Badehaus-Installationen: Im Bereich des Badehauses stieß man auf Fundamente und Wasserleitungen, die das Funktionieren der Thermenanlage belegten 

  • So wurden zB im Kaltbad Putzreste mit Darstellungen von Fischen gefunden – ein Hinweis darauf, dass das Becken mit Wasser gefüllt war​
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    Im Heißbad fand sich der Sockel des Löwenkopf-Ausgusses und Spuren des Heizkessels im Nebenraum​
    , was bestätigt, dass hier einst heißes Wasser in ein Becken eingelassen wurde 

  • Die Position des Labrum und Zu- bzw Abflüsse der Becken konnten durch die Bodenbefunde nachvollzogen werden

  • Pferdeschwemme im Wirtschaftshof: Außerhalb des Wohnbereichs, vor dem Torhaus im Wirtschaftshof, legten Archäologen ein weiteres Wasserbecken frei​

    Aufgrund seiner Lage und Form – es besitzt an einer Schmalseite flache breite Stufen und eine abfallende Wanne – wird es als Pferdeschwemme gedeutet​
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    Hier konnten die Arbeitspferde der Villa nach getaner Feldarbeit ins Wasser geführt und gereinigt werden 

  • Die Entdeckung dieses Beckens zeigt, dass auch im Wirtschaftsteil Wasserversorgung und -entsorgung durchdacht waren

 Blick auf den Innenhof der Villa Borg mit dem rekonstruierten Wasserbecken, umgeben von den Gebäudeflügeln 

Die römische Anlage ist nach mediterranem Vorbild gestaltet, mit Gärten und Wasser als zentralem Element 

Das etwa 30 × 10 m große Becken dient in der Rekonstruktion wieder als Zierteich und Löschwasserreserve​


Die genannten Funde – vom prächtigen Innenhofbecken bis zur einfachen Pferdeschwemme – zeichnen ein klares Bild: 

Die Villa Borg verfügte über ein durchdachtes Wassersystem, das Frischwasser gewann, im Alltag vielseitig nutzte und Gebrauchtes sicher entsorgte 

Selbst dekorative Elemente wie die Quellnymphen-Statue am Zierbecken unterstreichen die Bedeutung, die Wasser für Ästhetik und Nutzen hatte

Herausforderungen bei der Rekonstruktion der Wassertechnik

Die Rekonstruktion der römischen Wasseranlagen in der Villa Borg stellte Archäologen und Handwerker vor besondere Herausforderungen 

Nachdem 1994 der Beschluss gefasst wurde, die gesamte Villenanlage wissenschaftlich fundiert wiederaufzubauen​, stand man vor der Aufgabe, antike Technik mit modernen Anforderungen zu vereinen 

Eine erste Hürde war das Verständnis der Befunde: Nur durch enge Zusammenarbeit verschiedener Experten (Archäologen, Bauforscher, Restauratoren) ließ sich nachvollziehen, wie die Römer ihre Wasserleitungssysteme konstruiert hatten 

Vergleichsfunde aus ähnlichen Villen, etwa Echternach in Luxemburg, wurden hinzugezogen, um Wissenslücken zu füllen​

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Beim Wiederaufbau galt es, die authentische Funktion der Anlagen zu gewährleisten 

So wurden die Gebäude auf den originalen Fundamenten errichtet und alle wichtigen Einrichtungen – vom Bad bis zur Küche – voll funktionsfähig rekonstruiert​

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 Im Bereich der Wassertechnik bedeutete das, dass Brunnen und Becken wieder Wasser führen sollten und Abflüsse tatsächlich funktionieren 

Eines der Probleme war die Abdichtung der Wasserbecken: Moderne Baustoffe wie Beton kamen aus denkmalpflegerischen Gründen nicht infrage 

Stattdessen griff man auf antike Methoden zurück – die Becken wurden mit opus signinum (feinem hydraulischen Estrich) ausgekleidet, einem Wassermörtel aus Kalk und Ziegelsplitt, mit dem schon die Römer ihre Becken abgedichtet hatten​

Die Ecken erhielten wie damals einen abgerundeten Estrichwulst, um Risse zu vermeiden​


 Diese traditionelle Technik musste von modernen Handwerkern erst erlernt und experimentell erprobt werden

Ein weiteres Hindernis war die Wasserversorgung im rekonstruierten Zustand Obwohl der Leukbach in unmittelbarer Nähe fließt, kann sein Wasser aus hygienischen Gründen heute nicht ungefiltert in die Becken geleitet werden 

Die Lösung bestand darin, versteckte moderne Zuleitungen zu installieren: Unterirdische Rohrleitungen und Pumpen speisen die Zierbrunnen und das große Hofbecken mit sauberem Wasser, ohne das historische Erscheinungsbild zu stören 

Gleichzeitig wird das Wasser in regelmäßigen Abständen ausgetauscht, um Algenbildung vorzubeugen – eine Herausforderung, die auch die Römer kannten, wenn auch ohne moderne Pumpen 

Bei der Latrinen-Spülung entschied man sich aus praktischen Gründen dafür, diese nicht permanent mit Wasser zu betreiben

Stattdessen wird Besuchern die Funktionsweise durch Schaudemonstrationen verdeutlicht: 

Dabei wird Regenwasser (oder Frischwasser) gezielt durch die Rigolen geleitet, um zu zeigen, wie die Toiletten gespült und das Abwasser in den Leukbach-Kanal abgeleitet wurde

Die Handwerker mussten zudem spezielle Bauteile rekonstruieren, zB den Löwenkopf-Brunnen im Badehaus oder die hölzernen Wasserschöpfräder, die man vermutet, um Wasser aus dem Leukbach zu heben 

Mangels vollständiger Originalfunde wurden solche Elemente anhand von Vorbildern aus anderen römischen Stätten nachgebildet 

Der Löwenkopf-Ausguss etwa orientiert sich an römischen Originalen aus Pompeji und wurde von einem Künstler aus Bronze gegossen, um dauerhaft der Feuchtigkeit standzuhalten 

Die Quellnymphen-Statue am Innenhofbecken fertigte man in Anlehnung an das geborgene Originalfragment zweimal an, sodass das Becken – wie durch den Doppelbefund nahegelegt – wieder von zwei Nymphen geschmückt ist​

 Diese Figuren speien heute zwar kein Wasser, symbolisieren aber die sprudelnden Quellen, die einst in solchen Becken sprudelten

Schließlich war auch die Integration moderner Technik für Besucher ein Thema: 

Die rekonstruierten Wasseranlagen sollten erlebbar sein, zugleich aber sicher und pflegeleicht 

So wurden etwa dezente Geländer an der Pferdeschwemme angebracht, um Unfälle zu vermeiden, und das große Hofbecken erhielt einen umgebenden Steg für Gärtner und Technik, der für das Publikum unsichtbar bleibt 

Durch solche Maßnahmen gelang es, die antike Wassertechnik zum Leben zu erwecken, ohne den Eindruck der Authentizität zu beeinträchtigen 

Heute kann man sich in der Villa Borg tatsächlich vorstellen, dass der römische Villenbesitzer jeden Moment zurückkehren und seine Badeanlage in Betrieb nehmen könnte – so detailgetreu und funktional ist die Rekonstruktion gelungen​

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Die römische Brauerei der Villa Borg und das Leukbach-Wasser

Neben den Wasserleitungen wurde in der Villa Borg auch eine römische Brauerei rekonstruiert – eine echte Besonderheit, da Bier in der römischen Welt lange als Randphänomen galt 

Neuere Funde in Borg haben diese Sichtweise jedoch verändert: Archäologische Befunde deuten darauf hin, dass im Wirtschaftsbereich der Villa Bier gebraut wurde 

Bei Ausgrabungen in einem Kellerraum stieß man auf Überreste, die eindeutig einer Brauerei zugeordnet werden konnten​

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 Dazu zählen große Braukessel und Gärgefäße, in denen man Bier in Mengen herstellen konnte, sowie massive Mahlsteine zur Verarbeitung von Getreide (Gerste und Emmer)​

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Sogar mikroskopische Rückstände von Hefe und gekeimtem Malz wurden in Bodenproben nachgewiesen – ein untrügliches Zeichen dafür, dass hier ein Fermentationsprozess stattfand​

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Scherben von Keramikgefäßen mit organischen Ablagerungen ließen sich als mögliche Bierreste identifizieren, was durch chemische Analysen weiter untersucht wird​

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 Diese Entdeckung ist eine archäologische Sensation, da sie belegt, dass die Bierherstellung im römischen Deutschland bereits in der Kaiserzeit praktiziert wurde und möglicherweise eine größere Rolle spielte als bisher angenommen​

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Historisch ist bekannt, dass die Römer in den nördlichen Provinzen Bier nicht verschmähten Autoren wie Tacitus und 

Plinius der Ältere erwähnen einheimisches „Cervisia“ (Bier), das besonders von keltischen und germanischen Stämmen gebraut wurde​

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Lange Zeit nahm man an, die Römer hätten Bier nur konsumiert, aber selten selbst gebraut 

Die Befunde der Villa Borg liefern nun Hinweise darauf, dass Bier vor Ort produziert wurde – vielleicht um die römische Garnison in der Region zu versorgen oder die lokale Bevölkerung und den Gutsherrn selbst​

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 Möglicherweise war die Villa Borg mit ihrer Brauerei sogar ein regionaler Versorgungsstützpunkt für Bier, ähnlich wie andere Villen Wein kelterten oder Öl pressten​

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Für das Bierbrauen benötigten die Römer vor allem drei Dinge: Getreide, Kräuter und Wasser 

All dies war in Borg im Überfluss vorhanden 

Die fruchtbaren Felder rund um die Villa lieferten Gerste, Emmer und Dinkel als Braugetreide 

Würzige Wildkräuter aus der Umgebung – wie zB Gagelstrauch, Schafgarbe, Koriander oder Fenchel – dienten als Zugabe, um dem Bier Geschmack zu geben, da Hopfen im Altertum noch unbekannt oder unüblich war​

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 Und der Leukbach lieferte das unerlässliche Brauwasser: Sein Wasser war weich, klar und mineralisch günstig zusammengesetzt, was dem Bier einen guten Geschmack verlieh​

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In der rekonstruierten Brauerei zeigt sich, wie die antiken Braumeister das Leukbach-Wasser nutzten, um die Maische anzusetzen und den Sud zu kochen 

Frisches Flusswasser wurde vermutlich in großen Kesseln erhitzt, mit gemahlenem Getreide vermischt und durch Zusatz von Kräutern vergoren 

Die Nähe des Brauorts zum Bach war ideal, um jederzeit genügend Wasser schöpfen zu können

Die Rekonstruktion der Brauerei in der Villa Borg orientierte sich an den Grabungsbefunden und historischen Vergleichen 

Man hat einen Braukessel in passender Größe nachgebildet und in einem Wirtschaftsgebäude installiert 

Auch Gärbottiche aus Holz wurden rekonstruiert, in denen das Bier einige Tage fermentieren kann – ähnlich großen Fässern 

Die gesamte Anlage zeigt, dass die Römer technisch versiert Bier brauten: Vom Schrotmalen mit Handmühlen über das Erhitzen des Brausuds auf offener Flamme bis zur Lagerung in Tonamphoren oder Fässern wurde alles nachempfunden 

Diese Brauerei war kein schlichter Nebenbetrieb, sondern offenbar gut organisiert: Die Gerätschaften und baulichen Überreste lassen auf einen durchdachten Brauprozess schließen​, der in der römischen Welt einzigartig war

Interessant ist auch die Rolle des Leukbachs als Transportweg im Zusammenhang mit der Brauerei Denkbar ist, dass man über den Fluss Zutaten beschaffte oder fertiges Bier abtransportierte 

Kleine Boote konnten auf dem Leukbach Getreidesäcke, Tonkrüge mit Bier oder Bündel von Braukräutern flussabwärts zur Mosel bringen​

So war die Villa Borg möglicherweise in ein Handelsnetz eingebunden, das die römischen Siedlungen entlang der Saar und Mosel mit Bier versorgte 

Ob der Leukbach tatsächlich schiffbar genug war, ist ungewiss, doch zumindest als kurze Verbindungsstrecke zu größeren Wasserwegen könnte er genutzt worden sein​

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Zusammenfassend zeigt die römische Brauerei der Villa Borg, wie Leukbach-Wasser und lokales Fachwissen zusammenkamen, um ein für die Region typisches Bier zu erzeugen 

Die Rekonstruktion haucht dieser lange vergessenen Facette römischen Lebens neues Leben ein und unterstreicht, dass Bier im hohen Norden des Imperiums durchaus geschätzt wurde – dank der Gaben des Leukbachs

Heutige Nutzung des Wassersystems und der Brauerei für Besucher

Heute ist die Römische Villa Borg ein lebendiges Freilichtmuseum, in dem die rekonstruierten Wasseranlagen und die Brauerei für Besucher erfahrbar gemacht werden 

Im Archäologiepark Villa Borg können Gäste auf Schritt und Tritt die römische Ingenieurskunst bestaunen: Gleich am Eingang passiert man die Pferdeschwemme und ahnt die Bedeutung der Wasserversorgung für die Wirtschaft des Guts 

Im Innenhof angekommen, erblickt man das große Wasserbecken mit seinen springbrunnenartigen Figuren – in der heutigen Anlage sprudeln nach Bedarf Fontänen, um zu demonstrieren, wie das einstige Zierbecken ausgesehen haben mag 

Bei Führungen erläutern Archäologen anschaulich den Weg des Wassers durch die Villa: Vom Auffangen des Regens auf den Ziegeldächern über die Kanalisation unter den Hofpflastersteinen bis zum Ausfluss in den Leukbach werden alle Stationen gezeigt​

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 Oft staunen die Besucher, wenn sie erfahren, dass schon die Römer eine Art „Kreislaufwirtschaft“ betrieben: Regenwasser wurde zuerst gesammelt, dann zum Säubern (Latrinen) genutzt und schließlich wieder der Natur zugeführt​


Die rekonstruierten Wasserinstallationen werden aktiv in die Vermittlung einbezogen 

So ist das Badehaus voll funktionsfähig: Zu besonderen Anlässen oder bei Vorführungen wird der Heizkessel eingeheizt, und man kann beobachten, wie warmes Wasser aus dem Löwenkopf ins Becken plätschert, während im Labrum kühles Wasser bereitsteht – ein Erlebnis, das die antike Badekultur greifbar macht 

Im Sommer reflektiert das Innenhof-Becken das Sonnenlicht und sorgt für eine stimmungsvolle Kulisse, in der schon so mancher römische Thementag stattfand 

Bei den jährlichen Römerfesten dienen die Wasserbecken nicht nur der Zierde: Sie werden etwa bei Schaukämpfen als Kulisse genutzt oder bei Vorführungen antiker Feuerwehrtechniken demonstrativ „gelöscht“ 

Das Publikum erhält so einen lebhaften Eindruck, wie allgegenwärtig Wasser im römischen Villenalltag war

Eine besondere Attraktion ist die römische Brauerei der Villa Borg 

In einem Nebengebäude des Wirtschaftstrakts hat man die Braustätte wieder eingerichtet und braut dort heute nach historischen Rezepten ein eigenes Bier​

 Zu bestimmten Terminen – oft an Wochenenden oder zu Festen – wird öffentlich Bier gebraut 

Die Brauer in römischer Gewandung schroten Getreide, erhitzen Wasser (heutzutage über sicherer Gasflamme statt Holzfeuer, aus Rücksicht auf Besucher) und lassen die Würze in hölzernen Bottichen vergären 

Das Wasser für diesen Sud stammt tatsächlich aus dem Leukbach, wird aber vorher aufbereitet Man hat sich entschieden, echtes Leukbach-Wasser zu verwenden, um der Authentizität willen: Es verleiht dem „Villa-Borg-Bier“ einen regionaltypischen Charakter und schlägt die Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart​

 Besucher können im Anschluss das fertige Bier – ein ungefiltertes, nach antiker Art mit Kräutern gebrautes Getränk – im Museumsausschank kosten Im Museumscafé, der römischen Taverne, wird dieses Hausbier zusammen mit römischen Speisen nach Apicius-Rezepten angeboten, was das Erlebnis abrundet​

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 So wird Geschichte mit allen Sinnen erlebbar

Zunehmend nutzt die Villa Borg ihr Wassersystem auch für innovative Vermittlungsformate Geplant sind spezielle Themenführungen entlang des Leukbachs, bei denen Besucher außerhalb der Villa dem Lauf des Wassers folgen und archäologische Fundstellen am Fluss erkunden​

Entlang des Ufers sollen Kräutergärten entstehen, in denen genau jene Pflanzen wachsen, die für das römische Bierbrauen wichtig waren – etwa Gagel, Minze oder Koriander​

In Workshops können Interessierte selbst mit anpacken: vom Brauen nach historischem Vorbild (unter Anleitung eines „Braumeisters“ in Toga) bis zum Wasserbau-Experiment, bei dem man eine Mini-Rigole legt und testet, wieviel Regenwasser sich auffangen lässt 

Diese Angebote richten sich besonders an Schulen und Familien, um spielerisch Wissen zu vermitteln

Nicht zuletzt ist das Thema Nachhaltigkeit eng mit dem Leukbach und der Villa Borg verknüpft 

Das Museum nutzt die rekonstruierte Wasseranlage, um Parallelen zwischen damals und heute zu ziehen 

So wird das Konzept des Klimabiers vorgestellt – ein Bier, das mit minimalem ökologischem Fußabdruck aus lokalen Zutaten und Leukbach-Wasser hergestellt wird​

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 Dieses spezielle Bier, das in Zusammenarbeit mit einer lokalen Brauerei gebraut wird, symbolisiert die Verbindung von Natur und Tradition und soll zeigen, dass historische Methoden und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können​

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 Daneben gibt es das experimentelle Energiebier, das auf römische Rezepturen mit Honig zurückgreift und dem eine vitalisierende Wirkung nachgesagt wird​

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 Beide Biersorten stehen exemplarisch dafür, wie die Villa Borg alte Rezepte neu interpretiert und dem Leukbach als natürlicher Ressource eine zentrale Rolle in kulturellen Angeboten gibt

Die heutigen Besucher erleben die Villa Borg somit als ganzheitliches Zeitreise-Erlebnis: Plätscherndes Wasser, das Rauschen des Leukbachs in der Ferne, der Duft von Braukräutern und die Kostprobe römischen Gerstensafts versetzen einen zurück in die Antike 

Die rekonstruierten Wasseranlagen und die Brauerei sind nicht nur Anschauungsobjekte, sondern lebendige Schauplätze, an denen Geschichte erleuchtet und schmeckbar wird

Atmosphärische Einblicke in das römische Leben an der Villa Borg

Ein warmer Sommertag im 3 Jahrhundert n Chr: In der Morgendämmerung liegt leichter Nebel über dem Leukbach, während im Gutshof der Villa Borg geschäftiges Treiben beginnt 

Marcus, der Verwalter, schreitet über den Innenhof und bleibt einen Moment an dem großen Wasserbecken stehen 

Das spiegelglatte Wasser reflektiert den rosa Himmelsstreifen der aufgehenden Sonne 

Haussklave namens Titus hockt am Beckenrand und füttert ein paar Fische, die an der Oberfläche nach Brotstückchen schnappen – genau wie es der Herr des Hauses angeordnet hat, denn das Becken soll lebendig wirken 

Vom Dach der umliegenden Portikus plätschert leise das Traufwasser in die steinernen Rinnen; es hat in der Nacht leicht geregnet Titus weiß, dass dieses Wasser kostbar ist 

Er verfolgt mit den Augen, wie es in den schmalen Abfluss am Hofeck rauscht 

Dort unten, verborgen unter Steinplatten, fließt es Richtung Latrine In diesem Moment kommt Lucia, die für die Küche zuständig ist, mit einem Krug vorbei 

Sie ist auf dem Weg zum Brunnenhaus beim Leukbach Marcus hält sie kurz an: „Vergiss nicht, das frische Wasser gleich auch zur Braustube zu bringen Heute ist Brautag – der cerevisia-Sud muss zeitig aufgesetzt werden“ Lucia nickt und eilt davon, denn am Fluss wartet schon Gaius, der Braumeister

Etwas später am Vormittag steigt über dem Brauhaus eine dünne Rauchfahne auf Gaius hat das Feuer unter dem Sudkessel entfacht 

Im Innern des Brauhauses ist es warm und würzig: Der Duft von gekochtem Getreidebrei und Kräutern erfüllt die Luft In einem großen Kessel über der Feuerstelle vermengt Gaius gerade Leukbach-Wasser mit gemahlener Gerste und Emmer 

Er rührt mit einem hölzernen Paddle langsam die dampfende Maische, während er leise ein Dankgebet an die Flussgötter murmelt – schließlich verdankt man dem Leukbach dieses Wasser 

Neben ihm steht Lucia und streut handvoll getrockneten Gagel und etwas Schafgarbe in den Sud, damit das Bier später sein typisch herbes Aroma erhält​

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In der Ecke des Raumes blubbert bereits ein Gärbottich, gefüllt mit dem Sud vom letzten Brautag: Ein schaumiger Deckel aus Hefe hat sich darauf gebildet, und Gaius lächelt zufrieden – das leise Blubbern bedeutet, dass die Gärung gelingt 

Draußen hört man das Schnauben eines Pferdes: Ein Knecht führt gerade zwei Rösser zur Pferdeschwemme vor dem Torhaus 

Das Wasser im flachen Becken schwappt, als die Tiere hineintreten Sie schütteln die Nachtkühle aus ihrem Fell, während der Knecht sie mit der hohlen Hand begießt 

Das klare Wasser perlt von den kräftigen Pferdeleibern ab und versickert im sandigen Boden am Beckenrand

Am Nachmittag senkt sich die Hitze über die Villa Im Badehaus genießt der Gutsherr mit seiner Familie die Annehmlichkeiten der römischen Kultur 

Durch die offenen Bogenfenster fällt gleißendes Licht auf den Marmor des Caldariums In das runde Becken spuckt der bronzene Löwenkopf eine Kaskade warmen Wassers, das aus dem Holzofen hinter der Wand erhitzt wurde​

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Dampfschwaden steigen auf und vermischen sich mit dem Duft von Olivenöl-Seife Aurelia, die Tochter des Hauses, lacht hell auf, als das warme Wasser ihre Füße umspült 

Sie springt spielerisch zurück und greift nach einer Kelle, um sich aus dem Labrum etwas kühles Wasser über die Schultern laufen zu lassen 

Ihre Mutter beobachtet sie lächelnd, während sie selbst auf der Marmorbank ruht und das Plätschern genießt 

Vor dem Badehaus, im Garten, füllen Sklaven frisches Leukbach-Wasser in Tonkrüge 

Einer der Männer trägt zwei Krüge auf einer Schulterstange zur Küche, denn heute Abend soll es beim Gastmahl Bier und Wein geben – und das Bier, gebraut nach lokaler Art, schmeckt am besten mit kaltem Quellwasser gemischt

Als die Sonne sich dem Horizont neigt, versammelt sich die Hausherrschaft mit Gästen im Triclinium, dem Speisesaal 

In großen Kerzenleuchtern flackern Öllampen und tauchen die Szene in goldenes Licht Servius, der Mundschenk, tritt ein und präsentiert stolz einen Keramikkrug mit dem frisch gebrauten Villa-Borg-Bier Es duftet nach Malz und Honig 

Behutsam füllt Servius die Becher der Runde Der Gutsherr erhebt seinen Becher und prostet in die Runde: „Auf unsere Ernte, auf das Leben – und auf den Leukbach, der uns all dies schenkt!“ 

Die Gäste trinken und spüren die kühle, leicht würzige Flüssigkeit die Kehle hinunterrinnen 

In der Ferne hört man das leise Rauschen des Leukbachs und das Zirpen der Grillen Wasser, Bier und römische Lebensart – an der Villa Borg verschmelzen sie zu einem lebendigen Bild vergangener Zeit, das in diesem Moment gegenwärtig scheint


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