Die Römische Villa Borg befindet sich im Dreiländereck

Römische Villa Borg – Werkstätten & Archäologiepark

Römische Villa Borg

Archäologiepark und experimentelle Werkstätten

Glasbläserei

Die antike Kunst des Glasblasens wird in der rekonstruierten römischen Glashütte der Villa Borg lebendig gemacht. Besucher erleben, wie Glas nach historischen Verfahren geschmolzen und verarbeitet wird.

Töpferei

In der Töpferwerkstatt der Villa Borg entstehen Gefäße und Keramiken nach originalen römischen Techniken. Hier zeigt sich die Vielfalt und Qualität antiker Handwerkskunst.

Schmiede

Die römische Schmiede der Villa Borg demonstriert eindrucksvoll die metallurgischen Fertigkeiten der Römer, vom Schmieden einfacher Werkzeuge bis hin zu komplexen Gegenständen.

Archäologiepark

Der Archäologiepark bietet detailgetreue Rekonstruktionen, darunter Gebäude, Gärten und römische Infrastruktur, und ermöglicht so ein intensives Erleben römischer Lebenswelten.

Experimentelle Archäologie

In der Villa Borg werden antike Herstellungstechniken wissenschaftlich erforscht und praktisch nachvollzogen, was tiefe Einblicke in das Leben und Arbeiten der Römer ermöglicht.



Hintergrund der Villa Borg








Die Römische Villa Borg befindet sich im Dreiländereck Deutschland, Frankreich und Luxemburg und stellt die weltweit einzige vollständige Rekonstruktion eines herrschaftlichen Wohnbereichs (pars urbana) einer römischen Villa rustica dar.










Die Ausgrabungen begannen 1986, wobei das Gelände eine Fläche von etwa 7,5 Hektar umfasst, von denen bisher rund 2 Hektar untersucht wurden.

Die Funde deuten auf einen beträchtlichen Reichtum der ehemaligen Besitzer hin, wobei die ersten Siedlungsspuren in die zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. datieren. Eine kontinuierliche Nutzung kann bis ins frühe 5. Jahrhundert n. Chr. nachgewiesen werden.

Entwicklung der Werkstätten

Basierend auf Funden wie Produktionsabfällen aus der Glasverarbeitung, Schlacke aus der Metallverarbeitung und Halbfabrikaten aus Knochen ist belegt, dass in der Villa Borg verschiedene Handwerke betrieben wurden.

Bereits 2006 wurde ein Konzept vorgestellt, das den Aufbau und die Nutzung von Werkstätten vorsah. Aufgrund finanzieller Einschränkungen und komplexer Befund Situationen wurde das Projekt jedoch mehrfach verschoben.

Schließlich entschied man sich, Werkstätten in unmittelbarer Nähe zum Herrschaftsbereich zu errichten, geschützt durch Ständerbauten, wie sie auch von anderen römischen Ausgrabungen bekannt sind.

Glaswerkstatt

2013 wurde die erste Rekonstruktion einer römischen Glashütte errichtet, die seither regelmäßig betrieben wird. 2018 erfolgte eine Erweiterung um ein weiteres Gebäude mit zwei Glasöfen, darunter ein Wannenofen (GO-Borg-3) und ein kleinerer Hafenofen (GO-Borg-4).

Der Wannenofen, mit Außenmaßen von etwa 3 x 1,7 Metern, wurde trotz seiner Größe effizient betrieben und ermöglichte bereits nach neun Stunden Heizzeit das Schmelzen von Glas bei Temperaturen zwischen 950 und 1.000 °C. Die ersten, noch basenreichen Glasgefäße konnten am selben Abend geblasen werden.

Töpferei

Im Rahmen eines Kurses des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln wurde unter Anleitung von Frank Wiesenberg ein Töpferofen mit Mittelzunge und Lochtenne errichtet.

Als Baumaterial diente der vor Ort anstehende Lehm, der sich bereits beim Bau der Glasöfen bewährt hatte. Der rekonstruierte Ofen orientierte sich an Befunden aus römischer Zeit, beispielsweise einem Ofen in Köln, datiert ins 1./2. Jahrhundert n. Chr.

Schmiede und Buntmetallverarbeitung

Eine weitere Werkstatt bildet die römische Schmiede, die häufig betrieben wird. Im Mittelpunkt steht eine Feldesse, die von Martin Becker erworben wurde, einem Schmied, der bis 2016 nach antikem Vorbild Metall Gerätschaften rekonstruierte.

Zukünftige Projekte sehen die Rekonstruktion von Gerätschaften und Werkzeugen vor, wie sie auch in der Villa Borg aus römischer Zeit nachgewiesen wurden. Zudem ist ein Projekt zur Eisenverhüttung geplant, bei dem ein Rennofen entstehen soll. Auch die Buntmetallverarbeitung, beispielsweise die Herstellung von Fibeln, soll in die Schmiede integriert werden, da Funde von entsprechenden Werkzeugen in der Villa Borg darauf hindeuten.

Ziele und zukünftige Ausrichtung

Neben der Erprobung und Vorführung antiker Herstellungstechniken ist es ein Anliegen, Studierenden die Möglichkeit zu geben, mit unterschiedlichen Materialien zu arbeiten und deren Eigenschaften kennenzulernen.

Es wurde festgestellt, dass die jüngere Generation oft wenig Kenntnis über Materialeigenschaften besitzt und somit Schwierigkeiten hat, Texte und Publikationen in diesem Zusammenhang kritisch zu bewerten.

Daher werden universitäre Veranstaltungen angeboten, die sowohl theoretische als auch praktische Teile umfassen.

Eine enge Zusammenarbeit besteht mit der Universität des Saarlandes, aber auch Kooperationen mit anderen Universitäten wie Köln und Trier werden angestrebt. Die Werkstätten stehen zudem interessierten Kollegen für eigene Versuche offen.

Ein weiteres Ziel ist es, Kinder und Jugendliche an verschiedene Handwerke heranzuführen und bei erwachsenen Museumsbesuchern das Bewusstsein für Handwerke zu schärfen, die Gefahr laufen, in Vergessenheit zu geraten.

Insgesamt zeigt der Artikel, wie durch die Einrichtung und den Betrieb der Werkstätten im Archäologiepark Römische Villa Borg ein tieferes Verständnis römischer Handwerkstechniken gewonnen und dieses Wissen sowohl an Fachleute als auch an die breite Öffentlichkeit vermittelt werden kann.


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