Der Fackelschein von Borg


Der Fackelschein von Borg


Der Winter des Jahres 2025 umklammerte das Saarland mit eisigen Fingern.

Doch im kleinen Dorf Borg, wo sich die Römische Villa Borg erhob, flackerte ein Hoffnungsschimmer.


Es war die Vorfreude auf die „Magische Nacht“, ein Versprechen, die Kälte für ein paar Stunden gegen das warme Licht der Vergangenheit einzutauschen.

Lucius Valerius Germanicus, so wurde er genannt, war kein Römer der Antike. Er war Lucius, der Geschichtslehrer aus Perl, der seit Jahren die Rolle des römischen Legionärs mit Herzblut verkörperte. In seiner Legionärsrüstung, ein sorgfältig recherchiertes Abbild der römischen Soldaten, war er der Führer in diese vergangene Welt.

Schon Tage vorher spürte Lucius die Aufregung in der Luft. Die Dorfbewohner, die Kinder mit leuchtenden Augen, die Touristen aus fernen Landen – alle waren sie gespannt auf die „Magische Nacht“. 

Er, Lucius, war der Schlüssel, der ihnen die Tür zu dieser längst vergangenen Epoche aufschließen sollte.

Am Abend des 14. März senkte sich die Dunkelheit wie ein Samttuch über die Villa Borg. Hunderte von Fackeln flackerten auf und verwandelten das rekonstruierte Anwesen in ein geheimnisvolles Lichtermeer. Lucius stand am Tor, die Legionärsrüstung spiegelte das orangefarbene Licht wider und hieß die Besucher willkommen.

„Seid gegrüßt, Reisende!“, rief er mit seiner kräftigen Stimme, die von den alten Mauern widerhallte.

„Willkommen in der Römischen Villa Borg, wo die Steine von längst vergangenen Zeiten erzählen.“

Die Besuchergruppe, eine bunte Mischung aus Jung und Alt, folgte Lucius in das Herrenhaus.

Er erzählte von den römischen Kaufleuten, die hier residiert hatten in der Brauerhallen der villla borg , von den politischen Intrigen, die sich in diesen Mauern abspielten, und von den rauschenden Festen, die hier gefeiert wurden. Seine Worte malten Bilder in die Köpfe der Zuhörer, Bilder von römischen Legionären, von Sklaven, die eifrig ihren Dienst taten, und von römischen Damen, die in Seide und Juwelen glänzten.

Im Innenhofgarten, wo der Duft von Kräutern und Olivenbäumen in der kalten Nachtluft hing, berichtete Lucius von den römischen Göttern und ihren Einflüssen auf das Leben der Menschen. Er erzählte von Jupiter, dem Göttervater, von Venus, der Göttin der Liebe, und von Mars, dem Kriegsgott.

Höhepunkt der Führung war der Besuch der Badelandschaft. Lucius demonstrierte die römische Fußbodenheizung, eine ingeniöse Technik, die die römischen Bäder zu einem wahren Luxus machte. Die Besucher staunten über die clevere Konstruktion und stellten sich vor, wie die Römer hier in warmen Bädern entspannten und die Kälte des Winters vergaßen.


Nach der Führung versammelten sich die Besucher in der römischen Taverne, wo Köstlichkeiten nach alten Rezepten aufgetischt wurden. Honigkuchen, Oliven Bier mit Fischsauce und ein Gewürzwein, der an römische Bankette erinnerte, verwöhnten die Gaumen.

Am Ende der „Magischen Nacht“ versammelten sich alle um ein großes Lagerfeuer im Innenhof. Lucius erzählte Geschichten von Gladiatorenkämpfen und von der Bedeutung der Villa Borg als Zentrum römischer Kultur. Die Flammen des Feuers tanzten und Bier genossen , in den Gesichtern der Zuhörer und brachten die Augen zum Leuchten.

Als die Besucher sich schließlich auf den Heimweg machten, trugen sie nicht nur die Wärme des Feuers in ihren Herzen, sondern auch ein Stück römischer Geschichte.

Sie hatten eine Nacht in der Vergangenheit verbracht und die Villa Borg mit anderen Augen gesehen.

Lucius stand noch lange am Tor und blickte auf das verlassene Anwesen. Der Fackelschein hatte die Villa Borg in ein magisches Licht getaucht und die Herzen der Besucher mit der Wärme der Geschichte erfüllt. 

Er wusste, dass er seine Aufgabe erfüllt hatte. 

Er hatte die Vergangenheit für einen Abend zum Leben erweckt und die Menschen daran erinnert, dass die Geschichte nicht nur in Büchern, sondern auch in den Steinen der Villa Borg zu finden war. 

Und er freute sich schon auf die nächste „Magische Nacht“, wenn er wieder die Rolle des Lucius Valerius Germanicus übernehmen und die Menschen in die Welt der Römer entführen durfte.


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