Wasseranlagen und der Brauerei der Villa Borg – Nutzung des Leukbachs


Rekonstruktion der römischen Wasseranlagen und der Brauerei der Villa Borg – Nutzung des Leukbachs

Historische Wasserversorgung der Villa Borg

Die römische Villa Borg war auf eine zuverlässige Wasserversorgung angewiesen, um sowohl den alltäglichen Bedarf der Bewohner als auch die luxuriösen Ausstattungen wie Bäder und Gärten zu bedienen. In römischer Zeit nutzte man vielfältige Wasserleitungen, Kanäle und Reservoirs, um das Anwesen mit Wasser zu versorgen. Nahe der Villa fließt der Leukbach, ein kleiner Fluss und Nebenfluss der Saar, der in der Antike als Lebensader diente​

. Sauberes Wasser galt als essenziell, und der Leukbach lieferte frisches Trinkwasser für die Bewohner und die landwirtschaftlichen Bereiche der Villa​

. Wahrscheinlich wurde das Wasser mithilfe einfacher Zuleitungen direkt aus dem Leukbach entnommen, da es als rein und klar für die Herstellung von Lebensmitteln – sogar für das römische Bier (Cervisia) – geeignet war​

.

Neben der Flusswasser-Nutzung sammelte man auch Regenwasser von den Dächern. Über hölzerne oder steinerne Dachrinnen (Traufrinnen) gelangte Regenwasser in unterirdische Kanäle. Innerhalb der Villa ist ein ausgeklügeltes System belegt: Sandsteinkanäle (Rigolen) leiteten das Regenwasser von den Dächern zunächst in ein großes Auffangbecken im Innenhof​

. Von dort aus konnte es vielfältig genutzt werden – beispielsweise zur Speisung der Gartenanlagen oder der Zierbrunnen – bevor es überschüssig schließlich in die Latrinen und weiter in Richtung Leukbach abfloss​

. Zusätzlich gab es vermutlich Zisternen oder Vorratsbecken, in denen Wasser gespeichert wurde, um Engpässe zu überbrücken. Ein Brunnen ist im Bereich der Villa ebenfalls wahrscheinlich, auch wenn er bislang nicht eindeutig nachgewiesen wurde – viele römische Landgüter besaßen eigene Brunnenanlagen.

Ein zentrales Element der Wasserversorgung war das Badehaus der Villa. Hier benötigte man kaltes und warmes Wasser. Das frigidarium (Kaltbad) hatte ein großes Kaltwasserbecken, das gefüllt werden musste​

. Im benachbarten caldarium (Heißbad) floss heißes Wasser aus dem Maul eines Löwenkopf-Ausgusses in das Marmorbecken​

. Dieses Wasser wurde in einem Kessel im Heizraum erhitzt und diente den Badenden zum Schwitzen und Reinigen​

. Ein kleiner Brunnen (Labrum) stand ebenfalls im Bad und spendete kaltes Wasser zur Abkühlung​

. All dies deutet darauf hin, dass die Römer in Borg über genügend Wasser verfügten, das entweder aus dem Leukbach oder aus gesammeltem Regenwasser stammte, um ihre anspruchsvollen Badeeinrichtungen zu betreiben.

Archäologische Funde der Wasseranlagen


Mehrere archäologische Funde auf dem Gelände der Villa Borg geben Einblick in die antiken Wassersysteme und bestätigen die schriftlich überlieferten Annahmen:

  • Großes Innenhof-Wasserbecken: Bei Ausgrabungen im Innenhof entdeckte man die Umrisse und Bauelemente eines rechteckigen Beckens von ca. 30 × 10 Metern​

    . Gefundene große Sandsteinquader, halbrunde Abdecksteine und Fragmente von Steinskulpturen (darunter zwei Figuren einer Quellnymphe) belegen die einst aufwendige Gestaltung dieses Zierbeckens​. Das Becken diente repräsentativen Zwecken – möglicherweise hielt man darin Zierfische – und fungierte zugleich als Löschwasserteich für den Notfall​.

  • Drainagen und Kanäle: Parallel zu den Säulengängen des Innenhofs fand man mächtige Rigolen aus Sandstein, die Regenwasser von den Dächern auffingen​

    . Diese Kanäle führten zur Ecke, wo Hauptgebäude und Badehaus zusammentreffen, und dort in einen unterirdischen Kanal. Die Ausgrabungen zeigten, dass dieser Kanal zunächst zur Spülung der Latrine diente und danach das Abwasser in Richtung Leukbach abführte​. Dieser Befund ist ein direkter Hinweis auf die bewusste Nutzung des Leukbachs als natürlicher Abfluss für Schmutzwasser.

  • Badehaus-Installationen: Im Bereich des Badehauses stieß man auf Fundamente und Wasserleitungen, die das Funktionieren der Thermenanlage belegten. So wurden z.B. im Kaltbad Putzreste mit Darstellungen von Fischen gefunden – ein Hinweis darauf, dass das Becken mit Wasser gefüllt war​

    . Im Heißbad fand sich der Sockel des Löwenkopf-Ausgusses und Spuren des Heizkessels im Nebenraum​, was bestätigt, dass hier einst heißes Wasser in ein Becken eingelassen wurde. Die Position des Labrum und Zu- bzw. Abflüsse der Becken konnten durch die Bodenbefunde nachvollzogen werden.

  • Pferdeschwemme im Wirtschaftshof: Außerhalb des Wohnbereichs, vor dem Torhaus im Wirtschaftshof, legten Archäologen ein weiteres Wasserbecken frei​

    . Aufgrund seiner Lage und Form – es besitzt an einer Schmalseite flache breite Stufen und eine abfallende Wanne – wird es als Pferdeschwemme gedeutet​. Hier konnten die Arbeitspferde der Villa nach getaner Feldarbeit ins Wasser geführt und gereinigt werden. Die Entdeckung dieses Beckens zeigt, dass auch im Wirtschaftsteil Wasserversorgung und -entsorgung durchdacht waren.

https://www.villa-borg.de/innenhof-und-wasserbassin/

Blick auf den Innenhof der Villa Borg mit dem rekonstruierten Wasserbecken, umgeben von den Gebäudeflügeln. Die römische Anlage ist nach mediterranem Vorbild gestaltet, mit Gärten und Wasser als zentralem Element. Das etwa 30 × 10 m große Becken dient in der Rekonstruktion wieder als Zierteich und Löschwasserreserve​

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Die genannten Funde – vom prächtigen Innenhofbecken bis zur einfachen Pferdeschwemme – zeichnen ein klares Bild: Die Villa Borg verfügte über ein durchdachtes Wassersystem, das Frischwasser gewann, im Alltag vielseitig nutzte und Gebrauchtes sicher entsorgte. Selbst dekorative Elemente wie die Quellnymphen-Statue am Zierbecken unterstreichen die Bedeutung, die Wasser für Ästhetik und Nutzen hatte.

Herausforderungen bei der Rekonstruktion der Wassertechnik

Die Rekonstruktion der römischen Wasseranlagen in der Villa Borg stellte Archäologen und Handwerker vor besondere Herausforderungen. Nachdem 1994 der Beschluss gefasst wurde, die gesamte Villenanlage wissenschaftlich fundiert wiederaufzubauen​

, stand man vor der Aufgabe, antike Technik mit modernen Anforderungen zu vereinen. Eine erste Hürde war das Verständnis der Befunde: Nur durch enge Zusammenarbeit verschiedener Experten (Archäologen, Bauforscher, Restauratoren) ließ sich nachvollziehen, wie die Römer ihre Wasserleitungssysteme konstruiert hatten. Vergleichsfunde aus ähnlichen Villen, etwa Echternach in Luxemburg, wurden hinzugezogen, um Wissenslücken zu füllen​

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Beim Wiederaufbau galt es, die authentische Funktion der Anlagen zu gewährleisten. So wurden die Gebäude auf den originalen Fundamenten errichtet und alle wichtigen Einrichtungen – vom Bad bis zur Küche – voll funktionsfähig rekonstruiert​

. Im Bereich der Wassertechnik bedeutete das, dass Brunnen und Becken wieder Wasser führen sollten und Abflüsse tatsächlich funktionieren. Eines der Probleme war die Abdichtung der Wasserbecken: Moderne Baustoffe wie Beton kamen aus denkmalpflegerischen Gründen nicht infrage. Stattdessen griff man auf antike Methoden zurück – die Becken wurden mit opus signinum (feinem hydraulischen Estrich) ausgekleidet, einem Wassermörtel aus Kalk und Ziegelsplitt, mit dem schon die Römer ihre Becken abgedichtet hatten​

. Die Ecken erhielten wie damals einen abgerundeten Estrichwulst, um Risse zu vermeiden​

. Diese traditionelle Technik musste von modernen Handwerkern erst erlernt und experimentell erprobt werden.

Ein weiteres Hindernis war die Wasserversorgung im rekonstruierten Zustand. Obwohl der Leukbach in unmittelbarer Nähe fließt, kann sein Wasser aus hygienischen Gründen heute nicht ungefiltert in die Becken geleitet werden. Die Lösung bestand darin, versteckte moderne Zuleitungen zu installieren: Unterirdische Rohrleitungen und Pumpen speisen die Zierbrunnen und das große Hofbecken mit sauberem Wasser, ohne das historische Erscheinungsbild zu stören. Gleichzeitig wird das Wasser in regelmäßigen Abständen ausgetauscht, um Algenbildung vorzubeugen – eine Herausforderung, die auch die Römer kannten, wenn auch ohne moderne Pumpen. Bei der Latrinen-Spülung entschied man sich aus praktischen Gründen dafür, diese nicht permanent mit Wasser zu betreiben. Stattdessen wird Besuchern die Funktionsweise durch Schaudemonstrationen verdeutlicht: Dabei wird Regenwasser (oder Frischwasser) gezielt durch die Rigolen geleitet, um zu zeigen, wie die Toiletten gespült und das Abwasser in den Leukbach-Kanal abgeleitet wurde.

Die Handwerker mussten zudem spezielle Bauteile rekonstruieren, z.B. den Löwenkopf-Brunnen im Badehaus oder die hölzernen Wasserschöpfräder, die man vermutet, um Wasser aus dem Leukbach zu heben. Mangels vollständiger Originalfunde wurden solche Elemente anhand von Vorbildern aus anderen römischen Stätten nachgebildet. Der Löwenkopf-Ausguss etwa orientiert sich an römischen Originalen aus Pompeji und wurde von einem Künstler aus Bronze gegossen, um dauerhaft der Feuchtigkeit standzuhalten. Die Quellnymphen-Statue am Innenhofbecken fertigte man in Anlehnung an das geborgene Originalfragment zweimal an, sodass das Becken – wie durch den Doppelbefund nahegelegt – wieder von zwei Nymphen geschmückt ist​

. Diese Figuren speien heute zwar kein Wasser, symbolisieren aber die sprudelnden Quellen, die einst in solchen Becken sprudelten.

Schließlich war auch die Integration moderner Technik für Besucher ein Thema: Die rekonstruierten Wasseranlagen sollten erlebbar sein, zugleich aber sicher und pflegeleicht. So wurden etwa dezente Geländer an der Pferdeschwemme angebracht, um Unfälle zu vermeiden, und das große Hofbecken erhielt einen umgebenden Steg für Gärtner und Technik, der für das Publikum unsichtbar bleibt. Durch solche Maßnahmen gelang es, die antike Wassertechnik zum Leben zu erwecken, ohne den Eindruck der Authentizität zu beeinträchtigen. Heute kann man sich in der Villa Borg tatsächlich vorstellen, dass der römische Villenbesitzer jeden Moment zurückkehren und seine Badeanlage in Betrieb nehmen könnte – so detailgetreu und funktional ist die Rekonstruktion gelungen​

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Die römische Brauerei der Villa Borg und das Leukbach-Wasser

Neben den Wasserleitungen wurde in der Villa Borg auch eine römische Brauerei rekonstruiert – eine echte Besonderheit, da Bier in der römischen Welt lange als Randphänomen galt. Neuere Funde in Borg haben diese Sichtweise jedoch verändert: Archäologische Befunde deuten darauf hin, dass im Wirtschaftsbereich der Villa Bier gebraut wurde. Bei Ausgrabungen in einem Kellerraum stieß man auf Überreste, die eindeutig einer Brauerei zugeordnet werden konnten​

. Dazu zählen große Braukessel und Gärgefäße, in denen man Bier in Mengen herstellen konnte, sowie massive Mahlsteine zur Verarbeitung von Getreide (Gerste und Emmer)​

. Sogar mikroskopische Rückstände von Hefe und gekeimtem Malz wurden in Bodenproben nachgewiesen – ein untrügliches Zeichen dafür, dass hier ein Fermentationsprozess stattfand​

. Scherben von Keramikgefäßen mit organischen Ablagerungen ließen sich als mögliche Bierreste identifizieren, was durch chemische Analysen weiter untersucht wird​

. Diese Entdeckung ist eine archäologische Sensation, da sie belegt, dass die Bierherstellung im römischen Deutschland bereits in der Kaiserzeit praktiziert wurde und möglicherweise eine größere Rolle spielte als bisher angenommen​

.

Historisch ist bekannt, dass die Römer in den nördlichen Provinzen Bier nicht verschmähten. Autoren wie Tacitus und Plinius der Ältere erwähnen einheimisches „Cervisia“ (Bier), das besonders von keltischen und germanischen Stämmen gebraut wurde​

. Lange Zeit nahm man an, die Römer hätten Bier nur konsumiert, aber selten selbst gebraut. Die Befunde der Villa Borg liefern nun Hinweise darauf, dass Bier vor Ort produziert wurde – vielleicht um die römische Garnison in der Region zu versorgen oder die lokale Bevölkerung und den Gutsherrn selbst​

. Möglicherweise war die Villa Borg mit ihrer Brauerei sogar ein regionaler Versorgungsstützpunkt für Bier, ähnlich wie andere Villen Wein kelterten oder Öl pressten​

.

Für das Bierbrauen benötigten die Römer vor allem drei Dinge: Getreide, Kräuter und Wasser. All dies war in Borg im Überfluss vorhanden. Die fruchtbaren Felder rund um die Villa lieferten Gerste, Emmer und Dinkel als Braugetreide. Würzige Wildkräuter aus der Umgebung – wie z.B. Gagelstrauch, Schafgarbe, Koriander oder Fenchel – dienten als Zugabe, um dem Bier Geschmack zu geben​

, da Hopfen im Altertum noch unbekannt oder unüblich war​

. Und der Leukbach lieferte das unerlässliche Brauwasser: Sein Wasser war weich, klar und mineralisch günstig zusammengesetzt, was dem Bier einen guten Geschmack verlieh​

. In der rekonstruierten Brauerei zeigt sich, wie die antiken Braumeister das Leukbach-Wasser nutzten, um die Maische anzusetzen und den Sud zu kochen. Frisches Flusswasser wurde vermutlich in großen Kesseln erhitzt, mit gemahlenem Getreide vermischt und durch Zusatz von Kräutern vergoren. Die Nähe des Brauorts zum Bach war ideal, um jederzeit genügend Wasser schöpfen zu können.

Die Rekonstruktion der Brauerei in der Villa Borg orientierte sich an den Grabungsbefunden und historischen Vergleichen. Man hat einen Braukessel in passender Größe nachgebildet und in einem Wirtschaftsgebäude installiert. Auch Gärbottiche aus Holz wurden rekonstruiert, in denen das Bier einige Tage fermentieren kann – ähnlich großen Fässern. Die gesamte Anlage zeigt, dass die Römer technisch versiert Bier brauten: Vom Schrotmalen mit Handmühlen über das Erhitzen des Brausuds auf offener Flamme bis zur Lagerung in Tonamphoren oder Fässern wurde alles nachempfunden. Diese Brauerei war kein schlichter Nebenbetrieb, sondern offenbar gut organisiert: Die Gerätschaften und baulichen Überreste lassen auf einen durchdachten Brauprozess schließen​

, der in der römischen Welt einzigartig war.

Interessant ist auch die Rolle des Leukbachs als Transportweg im Zusammenhang mit der Brauerei. Denkbar ist, dass man über den Fluss Zutaten beschaffte oder fertiges Bier abtransportierte. Kleine Boote konnten auf dem Leukbach Getreidesäcke, Tonkrüge mit Bier oder Bündel von Braukräutern flussabwärts zur Mosel bringen​

. So war die Villa Borg möglicherweise in ein Handelsnetz eingebunden, das die römischen Siedlungen entlang der Saar und Mosel mit Bier versorgte. Ob der Leukbach tatsächlich schiffbar genug war, ist ungewiss, doch zumindest als kurze Verbindungsstrecke zu größeren Wasserwegen könnte er genutzt worden sein​

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Zusammenfassend zeigt die römische Brauerei der Villa Borg, wie Leukbach-Wasser und lokales Fachwissen zusammenkamen, um ein für die Region typisches Bier zu erzeugen. Die Rekonstruktion haucht dieser lange vergessenen Facette römischen Lebens neues Leben ein und unterstreicht, dass Bier im hohen Norden des Imperiums durchaus geschätzt wurde – dank der Gaben des Leukbachs.

Heutige Nutzung des Wassersystems und der Brauerei für Besucher

Heute ist die Römische Villa Borg ein lebendiges Freilichtmuseum, in dem die rekonstruierten Wasseranlagen und die Brauerei für Besucher erfahrbar gemacht werden. Im Archäologiepark Villa Borg können Gäste auf Schritt und Tritt die römische Ingenieurskunst bestaunen: Gleich am Eingang passiert man die Pferdeschwemme und ahnt die Bedeutung der Wasserversorgung für die Wirtschaft des Guts. Im Innenhof angekommen, erblickt man das große Wasserbecken mit seinen springbrunnenartigen Figuren – in der heutigen Anlage sprudeln nach Bedarf Fontänen, um zu demonstrieren, wie das einstige Zierbecken ausgesehen haben mag. Bei Führungen erläutern Archäologen anschaulich den Weg des Wassers durch die Villa: Vom Auffangen des Regens auf den Ziegeldächern über die Kanalisation unter den Hofpflastersteinen bis zum Ausfluss in den Leukbach werden alle Stationen gezeigt​

. Oft staunen die Besucher, wenn sie erfahren, dass schon die Römer eine Art „Kreislaufwirtschaft“ betrieben: Regenwasser wurde zuerst gesammelt, dann zum Säubern (Latrinen) genutzt und schließlich wieder der Natur zugeführt​

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Die rekonstruierten Wasserinstallationen werden aktiv in die Vermittlung einbezogen. So ist das Badehaus voll funktionsfähig: Zu besonderen Anlässen oder bei Vorführungen wird der Heizkessel eingeheizt, und man kann beobachten, wie warmes Wasser aus dem Löwenkopf ins Becken plätschert, während im Labrum kühles Wasser bereitsteht – ein Erlebnis, das die antike Badekultur greifbar macht. Im Sommer reflektiert das Innenhof-Becken das Sonnenlicht und sorgt für eine stimmungsvolle Kulisse, in der schon so mancher römische Thementag stattfand. Bei den jährlichen Römerfesten dienen die Wasserbecken nicht nur der Zierde: Sie werden etwa bei Schaukämpfen als Kulisse genutzt oder bei Vorführungen antiker Feuerwehrtechniken demonstrativ „gelöscht“. Das Publikum erhält so einen lebhaften Eindruck, wie allgegenwärtig Wasser im römischen Villenalltag war.

Eine besondere Attraktion ist die römische Brauerei der Villa Borg. In einem Nebengebäude des Wirtschaftstrakts hat man die Braustätte wieder eingerichtet und braut dort heute nach historischen Rezepten ein eigenes Bier​

. Zu bestimmten Terminen – oft an Wochenenden oder zu Festen – wird öffentlich Bier gebraut. Die Brauer in römischer Gewandung schroten Getreide, erhitzen Wasser (heutzutage über sicherer Gasflamme statt Holzfeuer, aus Rücksicht auf Besucher) und lassen die Würze in hölzernen Bottichen vergären. Das Wasser für diesen Sud stammt tatsächlich aus dem Leukbach, wird aber vorher aufbereitet. Man hat sich entschieden, echtes Leukbach-Wasser zu verwenden, um der Authentizität willen: Es verleiht dem „Villa-Borg-Bier“ einen regionaltypischen Charakter und schlägt die Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart​

. Besucher können im Anschluss das fertige Bier – ein ungefiltertes, nach antiker Art mit Kräutern gebrautes Getränk – im Museumsausschank kosten. Im Museumscafé, der römischen Taverne, wird dieses Hausbier zusammen mit römischen Speisen nach Apicius-Rezepten angeboten, was das Erlebnis abrundet​

. So wird Geschichte mit allen Sinnen erlebbar.

Zunehmend nutzt die Villa Borg ihr Wassersystem auch für innovative Vermittlungsformate. Geplant sind spezielle Themenführungen entlang des Leukbachs, bei denen Besucher außerhalb der Villa dem Lauf des Wassers folgen und archäologische Fundstellen am Fluss erkunden​

. Entlang des Ufers sollen Kräutergärten entstehen, in denen genau jene Pflanzen wachsen, die für das römische Bierbrauen wichtig waren – etwa Gagel, Minze oder Koriander​

. In Workshops können Interessierte selbst mit anpacken: vom Brauen nach historischem Vorbild (unter Anleitung eines „Braumeisters“ in Toga) bis zum Wasserbau-Experiment, bei dem man eine Mini-Rigole legt und testet, wieviel Regenwasser sich auffangen lässt. Diese Angebote richten sich besonders an Schulen und Familien, um spielerisch Wissen zu vermitteln.

Nicht zuletzt ist das Thema Nachhaltigkeit eng mit dem Leukbach und der Villa Borg verknüpft. Das Museum nutzt die rekonstruierte Wasseranlage, um Parallelen zwischen damals und heute zu ziehen. So wird das Konzept des Klimabiers vorgestellt – ein Bier, das mit minimalem ökologischem Fußabdruck aus lokalen Zutaten und Leukbach-Wasser hergestellt wird​

. Dieses spezielle Bier, das in Zusammenarbeit mit einer lokalen Brauerei gebraut wird, symbolisiert die Verbindung von Natur und Tradition und soll zeigen, dass historische Methoden und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können​

. Daneben gibt es das experimentelle Energiebier, das auf römische Rezepturen mit Honig zurückgreift und dem eine vitalisierende Wirkung nachgesagt wird​

. Beide Biersorten stehen exemplarisch dafür, wie die Villa Borg alte Rezepte neu interpretiert und dem Leukbach als natürlicher Ressource eine zentrale Rolle in kulturellen Angeboten gibt.

Die heutigen Besucher erleben die Villa Borg somit als ganzheitliches Zeitreise-Erlebnis: Plätscherndes Wasser, das Rauschen des Leukbachs in der Ferne, der Duft von Braukräutern und die Kostprobe römischen Gerstensafts versetzen einen zurück in die Antike. Die rekonstruierten Wasseranlagen und die Brauerei sind nicht nur Anschauungsobjekte, sondern lebendige Schauplätze, an denen Geschichte erleuchtet und schmeckbar wird.

Atmosphärische Einblicke in das römische Leben an der Villa Borg

Ein warmer Sommertag im 3. Jahrhundert n. Chr.: In der Morgendämmerung liegt leichter Nebel über dem Leukbach, während im Gutshof der Villa Borg geschäftiges Treiben beginnt. Marcus, der Verwalter, schreitet über den Innenhof und bleibt einen Moment an dem großen Wasserbecken stehen. Das spiegelglatte Wasser reflektiert den rosa Himmelsstreifen der aufgehenden Sonne. Ein Haussklave namens Titus hockt am Beckenrand und füttert ein paar Fische, die an der Oberfläche nach Brotstückchen schnappen – genau wie es der Herr des Hauses angeordnet hat, denn das Becken soll lebendig wirken. Vom Dach der umliegenden Portikus plätschert leise das Traufwasser in die steinernen Rinnen; es hat in der Nacht leicht geregnet. Titus weiß, dass dieses Wasser kostbar ist. Er verfolgt mit den Augen, wie es in den schmalen Abfluss am Hofeck rauscht. Dort unten, verborgen unter Steinplatten, fließt es Richtung Latrine. In diesem Moment kommt Lucia, die für die Küche zuständig ist, mit einem Krug vorbei. Sie ist auf dem Weg zum Brunnenhaus beim Leukbach. Marcus hält sie kurz an: „Vergiss nicht, das frische Wasser gleich auch zur Braustube zu bringen. Heute ist Brautag – der cerevisia-Sud muss zeitig aufgesetzt werden.“ Lucia nickt und eilt davon, denn am Fluss wartet schon Gaius, der Braumeister.

Etwas später am Vormittag steigt über dem Brauhaus eine dünne Rauchfahne auf. Gaius hat das Feuer unter dem Sudkessel entfacht. Im Innern des Brauhauses ist es warm und würzig: Der Duft von gekochtem Getreidebrei und Kräutern erfüllt die Luft. In einem großen Kessel über der Feuerstelle vermengt Gaius gerade Leukbach-Wasser mit gemahlener Gerste und Emmer. Er rührt mit einem hölzernen Paddle langsam die dampfende Maische, während er leise ein Dankgebet an die Flussgötter murmelt – schließlich verdankt man dem Leukbach dieses Wasser. Neben ihm steht Lucia und streut handvoll getrockneten Gagel und etwas Schafgarbe in den Sud, damit das Bier später sein typisch herbes Aroma erhält​

. In der Ecke des Raumes blubbert bereits ein Gärbottich, gefüllt mit dem Sud vom letzten Brautag: Ein schaumiger Deckel aus Hefe hat sich darauf gebildet, und Gaius lächelt zufrieden – das leise Blubbern bedeutet, dass die Gärung gelingt. Draußen hört man das Schnauben eines Pferdes: Ein Knecht führt gerade zwei Rösser zur Pferdeschwemme vor dem Torhaus. Das Wasser im flachen Becken schwappt, als die Tiere hineintreten. Sie schütteln die Nachtkühle aus ihrem Fell, während der Knecht sie mit der hohlen Hand begießt. Das klare Wasser perlt von den kräftigen Pferdeleibern ab und versickert im sandigen Boden am Beckenrand.

Am Nachmittag senkt sich die Hitze über die Villa. Im Badehaus genießt der Gutsherr mit seiner Familie die Annehmlichkeiten der römischen Kultur. Durch die offenen Bogenfenster fällt gleißendes Licht auf den Marmor des Caldariums. In das runde Becken spuckt der bronzene Löwenkopf eine Kaskade warmen Wassers, das aus dem Holzofen hinter der Wand erhitzt wurde​

. Dampfschwaden steigen auf und vermischen sich mit dem Duft von Olivenöl-Seife. Aurelia, die Tochter des Hauses, lacht hell auf, als das warme Wasser ihre Füße umspült. Sie springt spielerisch zurück und greift nach einer Kelle, um sich aus dem Labrum etwas kühles Wasser über die Schultern laufen zu lassen. Ihre Mutter beobachtet sie lächelnd, während sie selbst auf der Marmorbank ruht und das Plätschern genießt. Vor dem Badehaus, im Garten, füllen Sklaven frisches Leukbach-Wasser in Tonkrüge. Einer der Männer trägt zwei Krüge auf einer Schulterstange zur Küche, denn heute Abend soll es beim Gastmahl Bier und Wein geben – und das Bier, gebraut nach lokaler Art, schmeckt am besten mit kaltem Quellwasser gemischt.

Als die Sonne sich dem Horizont neigt, versammelt sich die Hausherrschaft mit Gästen im Triclinium, dem Speisesaal. In großen Kerzenleuchtern flackern Öllampen und tauchen die Szene in goldenes Licht. Servius, der Mundschenk, tritt ein und präsentiert stolz einen Keramikkrug mit dem frisch gebrauten Villa-Borg-Bier. Es duftet nach Malz und Honig. Behutsam füllt Servius die Becher der Runde. Der Gutsherr erhebt seinen Becher und prostet in die Runde: „Auf unsere Ernte, auf das Leben – und auf den Leukbach, der uns all dies schenkt!“ Die Gäste trinken und spüren die kühle, leicht würzige Flüssigkeit die Kehle hinunterrinnen. In der Ferne hört man das leise Rauschen des Leukbachs und das Zirpen der Grillen. Wasser, Bier und römische Lebensart – an der Villa Borg verschmelzen sie zu einem lebendigen Bild vergangener Zeit, das in diesem Moment gegenwärtig scheint.

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